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Nominierung am 28.3.

Updated: Jul 17

Liebe Genossinnen und Genossen,


vielen Dank, dass ich jetzt doch noch die Chance bekomme, mich hier vorzustellen, einen ganz herzlichen Dank auch an Ronja – die mir unermüdlich versicherte, dass diese Veranstaltung heute noch vor September stattfinden würde.


Zur Zeit ist ja fast alles einfach ein bischen anderes als sonst.

Ronja hat mir eingeschärft, ich müsse mich kurz fassen.

1. Was hat mich geprägt?

2. Warum will ich kandidieren?

3. Welche aktuellen Positionen sind mir wichtig?


In Göppingen habe ich das Abi gemacht, ich war als Schüler in der sog. Dritten Welt-Arbeit engagiert und Teil der Südafrika-Boykott-Bewegung. Ich war befreundet mit einem Pfarrer, der eines Tages mit Tränen in den Augen zu mir kam und sagte – im Sommer 1977 – sie haben Steve umgebracht. Steve Biko, Pfarrer und Leitfigur der Black Concious Bewegung in Südafrika, war ein enger Freund meines Nachbarn. Steve wurde von der Polizei zu Tode gefoltert. Es gibt besondere Momente, die prägen.

Natürlich SMV-Arbeit und Ärger mit der Schulleitung, ich sei zu einseitig. Wir haben bundesweit die erste Demo gegen die Neutronenbombe organisiert. Engagement in der Friedensbewegung.

Ich studierte Politik, EKW, Jura. Promotion bei Prof. Hermann Bausinger und Prof. Hans-Georg Wehling.

Davor: Von 1979 bis 1981 Sozialarbeit in Los Angeles. Betreuung von Drogenabhängigen. Ich werde nie vergessen, wie ein junger Kerl fürchterliche Zahnschmerzen hatte, Eiter lief ihm aus dem Mund. Der erste Zahnarzt sagte: Cash first, der zweite auch und so weiter. Nachts kaufte ich starke Schmerztabletten im Supermarkt.


Seither befasse ich mich intensiv mit Gesundheitssystemen im internationalen Vergleich. Wer meint, die Privatisierung von Kliniken sei eine gute Idee, kann sich gerne mit mir darüber unterhalten. Die Datenlage dazu ist mehr als eindeutig. Die USA haben mit weitem Abstand das teuerste Gesundheitssystem der Welt und – unter den Industrieländern - das schlechteste.

Ich war für den Süddeutschen Rundfunk als Fernsehjournalist tätig – Filme über Schopenhauer, Friedrich Nietzsche oder Regionalgeschichte –

Während der Promotion über amerikansche Besatzungspoltik Einstieg in die Erwachsenenbildung. Ich war Vorsitzender der Evangelischen Erwachsenenbildung in Württemberg und kam dann über Umwege nach Reutlingen.


Ich war als Dozent für das amerikanische Militär tätig, für die IGM in der Betriebsratschulung und halte seit 30 Jahren sozialwissenschaftliche Vorträge.


Ich habe die Reutlinger Reportageschule gegründet, die inzwischen auch von Journalisten wie Claus Kleber unterstützt wird. Das Reutlinger Business & Management Institut und weitere Einrichtungen. Immer gegen den Rat von außen. Das wird nichts, Bedenken, Bedenken, Bedenken – aber gute Ideen setzen sich immer durch, wenn man bereit ist, sich leidenschaftlich dafür einzusetzen.


2. Warum kandidiere ich?


Vor 80 Jahren beschloss die Wehrmacht, Leningrand einzukesseln, um alle Einwohner verhungern zu lassen. Über 1 Mio. Menschen sind dadurch elendig zu Grunde gegangen. Mehrheitlich Frauen und Kinder. Ein bestialisches Kriegsverbrechen der Wehrmacht. Es war nicht das einzige.

Jetzt gibt es Leute, die sagen, wir sollen wieder stolz sein auf die Leistungen der Wehrmacht und der Nationalsozialismus sei doch nur ein Vogelschiss- …

Nein - der Nationalsozialismus ist eine Zäsur – nicht nur für Deutschland – sondern für das Gesamtprojekt der Zivilisation.


Leute, die wieder stolz sein wollen auf Kriegsverbrechen, gehören nicht in den Bundestag.

Das hat bei mir den Schalter vollends umgelegt. Ich sagte mir: Ulli du musst zumindest versuchen, einen Beitrag zu leisten. Weg von der Seitenline. Rauf aufs Spielfeld

Positionen?


Außenpolitisch erleben wir einen Jo Biden, der auf etwas nettere Art Trump-Politik betreibt, aber innenpolitisch titelte der Spiegel vor kurzem.

Amerika erlebt eine Sozialdemokratische Revolution.

Kein Zweifel: Jo Biden hat unser Wahlprogramm gelesen. Armutsbekämpfung, Sozialen Wohnungsbau, Mindestlohn 15 Dollar, Arbeitnehmerrechte, Stärkung der Gewerkschaften.

Ich finde die Beschlüsse vom Sonderparteitag in Berlin Dez. 19 super. Tarifbindung, Besserstellung der Leiharbeit, deutlich höherer Mindestlohn, usw.

Wir müssen diese Positionen aber auch stärker verkaufen. Wir haben als SPD nicht nur Großartiges für unser Land erreicht, wir haben auch starke Lösungen für die Zukunft.

Wir müssen noch stärker auf unseren Markenkern hinweisen. Gerechtigkeit, Ausgleich der sozialen Gegensätze, Zukunft hat nur, was allen nützt und – das ist mir besonders wichtig, die Verzahnung von Klimapolitik und Sozialpolitik.


Wenn ein erheblicher Teil der Bevölkerung von Abstiegsängsten geplagt ist, das Gefühl hat, dass es den eigenen Kindern einmal schlechter gehen wird oder sich vor Altersarmut fürchtet, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir klimapolitisch nicht so voran kommen, wie wir voran kommen sollten.

Mit Menschen, die Angst haben aus ihrer Wohnung zu fliegen, kann man nicht über das Abschmelzen der Gletscher diskutieren. Wir müssen der weiteren Spaltung unserer Gesellschaft entgegen wirken. Wir brauchen einen Ausgleich der Sozialen Gegensätze.

Und deswegen sind unsere Antworten – Dezemberparteitag in Berlin, Tarifbindung, Besserstellung der Leiharbeit, höherer Mindeslohn – die richtigen Antworten auf die großen Herausforderungen, die vor uns liegen.


Ich möchte, dass wir unser Konzepte noch selbstsbewußter vertreten und stolz und hoch erhobenen Hauptes für sozialdemokratische Politik eintreten.

Weltweit hat die Pandemie gezeigt, dass eine Renaissance Sozialdemokratischer Politik möglich ist und nötig.


Ich möchte Teil dieses Aufbruches sein.

Ich bitte um Eurer Vertrauen und um Eure Unterstützung.



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